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Australiens Zukunft neu verdrahten

Das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Landes.

Australien ist etwa 21-mal größer als Deutschland, hat aber mit etwa 23 Millionen Einwohnern eine sehr viel geringere Bevölkerungsdichte. Die dünne Besiedlung macht den Breitbandausbau zur technischen und ökonomischen Herausforderung. Obwohl Australien eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt ist, müssen seine Einwohner bisher extrem langsame Internetgeschwindigkeiten hinnehmen. In vielen ländlichen Gegenden gibt es nur einen schwachen oder gar keinen Internetzugang.

Vier Jahre früher und AU$ 30 Mrd. günstiger

Wie lassen sich 60.000 Versorgungsgebiete, die quer über das Land verteilt sind, am schnellsten und kostengünstigsten an ein Breitbandnetz anschließen? Um das herauszufinden, erarbeitete ein globales Team aus mehr als 30 BCG-Mitarbeitern – darunter Fachleute für Geoanalytik, Angewandte Mathematik und Bauwesen sowie Experten für Breitbandtechnologien – verschiedene Modelle.

Unsere Analyse ergab, dass Einsparungen von AU$ 30 Mrd. und eine um vier Jahre kürzere Bauzeit möglich wären. Ursprünglich hatte die Regierung geplant, beim Ausbau des Netzes fast ausschließlich auf die aufwändige Fiber-to-the-Premises-Technologie (FTTP) zu setzen. Unsere Empfehlung lautete stattdessen, nicht nur eine Breitbandtechnologie einzusetzen, sondern fünf: Kabel, FTTP (Verlegung bis ins Gebäude), FTTN (Verlegung bis zum Verteiler), FTTdp (Verlegung bis in die Straße) sowie Fixed-Wireless (als fester Funkdienst).

Dank der neuen, durch BCG entwickelten Strategie kann das umfassende Breitbandnetz bis 2020 fertiggestellt werden. Viele bisher unterversorgte städtische und ländliche Gegenden ebenso wie entlegene Buschregionen können schneller an das Netz angeschlossen werden.

Q&A mit der Breitbandspezialistin

Dorothee arbeitet bei BCG in Sydney und ist Mitglied der Praxisgruppe Technology, Media & Telecommunications. Zunächst hat sie auf diesem Projekt als Consultant gearbeitet, heute ist sie Projektleiterin. Dorothee besitzt einen Abschluss als Diplom-Kulturwirtin von der Universität Passau und einen MBA von der Australian Graduate School of Management der University of New South Wales.

Q: Was war deine Rolle bei diesem Projekt?

A: Durch meine Arbeit mit Netzbetreibern in Europa habe ich recht viel Erfahrung im Bereich Breitband, was für dieses Projekt von entscheidender Bedeutung war. Wir haben uns zunächst gefragt: „Was wäre, wenn wir die vorhandenen Kabelnetze nutzen könnten, statt ein Glasfaserkabel zu jedem Haushalt zu verlegen?“ Ich war für diese Analyse zuständig – was es kosten und wie lange es dauern würde. Unser Ziel war, für den australischen Steuerzahler das bestmögliche Ergebnis zu den geringstmöglichen Kosten zu erzielen.

Q: Das klingt komplex. Was beinhaltete diese Analyse?

A: Man muss die Kosten auf einer sehr tiefen Ebene verstehen – etwa wie viele Meter Kabel erforderlich sind und was es kostet, die Gräben auszuheben – und zwar zu jedem Haushalt und jeder Firma. Ich kannte mich nur beim Kabel aus. Andere Experten, darunter BCG-Berater aus der Schweiz, Dubai, Belgien und den USA, führten die gleiche Art von Analyse für jede von uns untersuchte Technologie durch.

Q: Wie war es möglich, in so kurzer Zeit so viel zu erreichen?

A: Es war ein sehr umfangreiches Projekt mit riesigen Datenmengen. Aber jeder von uns wusste genau, was zu tun war, und wir haben uns ständig ausgetauscht. Ich habe dabei viel gelernt, z. B. wie man ein komplexes Projekt in definierbare Teile aufgliedert und trotz großem Druck immer fokussiert bleibt. Ich habe gelernt, meinen Managementfähigkeiten zu vertrauen und den Mut zu haben, wichtige Entscheidungen zu treffen. Und ich bin in der Zwischenzeit bei BCG zum Project Leader befördert worden.

Q&A mit dem Financial Analyst

Alan arbeitet seit 2012 bei BCG und ist Consultant im BCG-Büro in Sydney. Er hat Abschlüsse als Bachelor of Commerce und Bachelor of Law von der University of New South Wales.

Q: Was war deine Rolle bei diesem Projekt?

A: Das Projektteam bestand aus insgesamt 15 Personen. Ich war dabei für das Finanzmodell zuständig – eine wichtige Aufgabe. Es ging um Millionen von Datenpunkten und Milliarden von Dollar. Wir haben sechs verschiedene Szenarien – mit jeweils unterschiedlichen Umsetzungsplänen und einem anderen Technologie-Mix – sowie deren jeweilige finanzielle Effekte untersucht, um so die relativen finanziellen und operativen Vor- und Nachteile der einzelnen Szenarien zu bestimmen.

Q: Was war das Besondere an der Arbeit auf diesem Projekt?

A: Ich bin stolz, an einem Projekt mitgewirkt zu haben, das so weitreichende Konsequenzen für unser Land haben wird. Das NBN wird auf die eine oder andere Art und Weise jeden Australier betreffen – ganz gleich ob er in einer großen Stadt oder im Busch lebt. Durch das NBN kommen wir nicht nur auf den gleichen Stand wie andere Länder, es schafft auch die Infrastruktur für künftiges Wachstum und die weitere Entwicklung.

Q: Was hat dich nach deinem Studium an BCG gereizt?

A: Eigentlich suchte ich eine Stelle als Referendar bei einer Anwaltskanzlei, als ich zu einem Vorstellungsgespräch bei BCG eingeladen wurde. Ich hatte mich bis dahin nicht groß mit der Strategieberatung beschäftigt, aber das Case-Interview hat mir gut gefallen und ich dachte, diese Art von Arbeit könnte das Richtige für mich sein. Ich habe dann im Sommer erst noch ein Referendariat in einer Kanzlei gemacht und habe im nächsten Jahr bei BCG angefangen.

Q&A mit dem Geoanalysten

Nicholas ist Senior Knowledge Analyst im GeoAnalytics-Team von BCG in Boston. Sein Fachgebiet sind räumlich-zeitliche Analysen. Er besitzt einen Bachelor-Abschluss in Geografie sowie einen Master-Abschluss in Geoinformationswissenschaft von der Clark University und hat an der Arizona State University in Geografie promoviert.

Q: Du wirst sicher oft gefragt, was Geoanalyse überhaupt ist und was du eigentlich machst.

A: Das stimmt. Als Mitglied des GeoAnalytics-Teams von BCG analysiere ich räumliche Probleme für unsere Kunden. Diese sind meist äußerst komplex, mit riesigen Datensätzen und sehr standortabhängigen Fragen nach dem „Wo“. Beispielsweise für die Logistikoptimierung im Einzelhandel – wo sollen Filialen oder Lager entstehen? – oder wie in diesem Fall zur Ermittlung der Standortvor- und -nachteile einer bestimmten Technologie.

Q: Was war deine Rolle bei diesem Projekt?

A: Meine Hauptaufgabe war die Erstellung eines Modells für die optimale Zuordnung der Technologien. Ich war der Ansprechpartner für die Visualisierung von Raumdaten. Denn wenn man ein Problem „sieht“, kann dies extrem helfen, es zu lösen. Ich konnte geradezu hören, wie es in den Köpfen „klick“ machte, wenn deutlich wurde, warum es besser ist, eine Region z. B. über Satellit statt über Glasfaser zu versorgen.

Q: Was hast du durch die Arbeit auf diesem Projekt gelernt?

A: Die Erfahrung auf dem Projekt hat mich darin bestärkt, dass es keine vorgefertigten Standardwege gibt, die zum Ziel führen. Das Problem bestimmt, wie man vorgeht. Es gibt keine Universallösungen. Wir mussten für unsere Analyse viele Tools neu entwickeln oder anpassen, auch die Algorithmen für die Technologieoptimierung. Ich weiß nicht, wer sonst dazu in der Lage gewesen wäre.

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