Nachhaltigkeit in der deutschen Landwirtschaft erfordert große Umbrüche

Verantwortung liegt nicht nur bei Landwirten, sondern genauso bei Politik, Gesellschaft und Verbrauchern // Umweltkosten von mindestens 90 Milliarden Euro steht eine Bruttowert­schöpfung von rund 21 Milliarden Euro gegenüber // Durch nachhaltige Landwirtschaft lassen sich Kosten um rund ein Drittel reduzieren

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Düsseldorf – Die Landwirtschaft spielt mit ihrer Bedeutung für die Nahrungsmittelproduktion, den Erhalt des ländlichen Raumes und die Kultur­landschaft eine entscheidende Rolle in Deutschland und erfüllt eine gesamtgesell­schaftliche Aufgabe. Gleichzeitig steht sie vor großen Herausforderungen: In der deutschen Landwirtschaft entstehen jedes Jahr Umweltkosten in Höhe von rund 90 Milliarden Euro. Diese externen Kosten, die unter anderem durch Treibhausgas­emissionen sowie den Verlust von Ökosystemleistungen entstehen, können durch nachhaltige landwirtschaftliche Methoden und moderne Technologien um rund ein Drittel reduziert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft nachhaltig sichern der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

„Der Druck auf die Branche ist groß: Die Gesellschaft hat sich an Lebensmittel zu günstigen Preisen gewöhnt. Gleichzeitig erwartet sie, dass der ökologische Fuß­abdruck der Landwirtschaft möglichst klein ist – mit reduzierten Treibhausgas­emissionen und Schutz der Artenvielfalt“, sagt Dr. Torsten Kurth, BCG-Senior-Partner und Koautor der Studie. Daher sei die Debatte um eine nachhaltige Landwirtschaft emotional aufgeladen; vor allem die Landwirte stünden oft am Pranger, so die Studienautoren. Das landwirtschaftliche System in Deutschland und der EU wird jedoch auch von Gesellschaft, Politik, Lebensmittelhandel und Industrie maßgeblich geprägt. Alle Akteure müssten daher in die Lösungswege einbezogen werden – gemeinsam muss ein Weg in eine nachhaltigere Zukunft definiert werden.  

Externe Kosten etwa viermal so groß wie die ökonomische Wertschöpfung

Während die deutsche Landwirtschaft einen Anteil von rund 0,7 Prozent (im Jahr 2017 rund 21 Milliarden Euro) an der deutschen Bruttowertschöpfung hat und rund 2 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland beschäftigt, verursacht sie hierzulande gleichzeitig mindestens 7 Prozent der Treibhausgasemissionen. Diese und zusätzliche Effekte, wie zum Beispiel aus Luftschadstoffemissionen sowie für Wasser und Boden, verursachen externe Kosten von jährlich mindestens 40 Milliarden Euro. Externe Kosten sind Kosten, die durch landwirtschaftliche Produktion z. B. in der Umwelt entstehen und von der Gesellschaft getragen werden. Berücksichtigt man darüber hinaus den Verlust von Biodiversität und der damit einhergehenden Ökosystemleistungen, erhöhen sich die externen Kosten der Landwirtschaft nach BCG-Berechnungen um weitere 50 Milliarden Euro, also auf insgesamt 90 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu fallen jedes Jahr staatliche Ausgaben von rund 10 Milliarden Euro an, zum Beispiel durch EU-Direktzahlungen.

Die externen Kosten sind damit mehr als viermal so hoch wie die gesamte Brutto­wertschöpfung. Würden die externen Kosten auf die unterschiedlichen Ernährungs­güter umgelegt, müssten insbesondere tierische Produkte deutlich teurer werden. Der Erzeugerpreis für ein Kilogramm Rindfleisch müsste zum Beispiel auf das Fünf- bis Sechsfache steigen.

Externe Kosten können um ein Drittel verringert werden

Die Studie belegt, dass ein Haupttreiber der externen Kosten die Flächennutzung der Landwirtschaft ist. Demnach müsse die vorhandene landwirtschaftliche Fläche gleichzeitig nachhaltig und wirtschaftlich effektiv genutzt werden. Außerdem zeigt die Studie, dass die externen Kosten um ein Drittel gesenkt werden können, wenn nachhaltige Methoden und neue Technologien in der Bewirtschaftung der Flächen eingesetzt werden.

Noch weiter ließen sich die externen Kosten verringern, wenn die Lebensmittel­verschwendung reduziert sowie das Konsumverhalten und Ernährungsgewohnheiten hinterfragt würden. Das zeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, die ökologischen externen Kosten deutlich zu verringern. „Nachhaltige Landwirtschaft gibt es nicht zum Nulltarif. Nachhaltig produzierte landwirtschaftliche Produkte müssen uns als Gesellschaft und Verbraucher etwas wert sein“, so Kurth. Die Studienautoren kommen zu dem Ergebnis, dass hierfür Mut zu Veränderungen sowie ein gemein­sames Verständnis aller Akteure erforderlich sind, wie nachhaltige Landwirtschaft aussehen soll.

Über die Studie

Die Studie ist in enger Kooperation mit Jörg-Andreas Krüger, neu gewähltem Präsidenten des NABU und ehemaligem Geschäftsführer „Ökologischer Fußabdruck“ des WWF Deutschland, entstanden. Bei der Entwicklung der Studie, insbesondere der Berechnung der externen Kosten, sind wir evidenzbasiert vorgegangen. Alle Berech­nungen beruhen auf den besten verfügbaren Ergebnissen anderer Studien. Des Weiteren haben Interviews mit Landwirten sowie Vertretern von Agrarforschungs­instituten, Landwirtschaftsverbänden und der Landwirtschaftspolitik einen wesent­lichen Beitrag zur Erstellung der Studie geleistet. Ausgehend von den aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft bietet die Studie so erstmals einen holis­tischen Überblick zu den externen Kosten der Landwirtschaft. Darüber hinaus betrachtet die Studie nachhaltige Landwirtschaft als ersten Lösungsansatz für die Reduzierung dieser externen Kosten. Verschiedene Szenarien zeigen Möglichkeiten zur Verringerung der externen Kosten sowie Impulse für einen gesamtgesellschaft­lichen Wandel auf. Abschließend fasst die Studie zentrale Leitfragen für eine wichtige gesamtgesellschaftliche Debatte zusammen. Die Studie kann hier heruntergeladen werden:

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft nachhaltig sichern

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fatheyan.shara@bcg.com
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