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Düsseldorf—Die Familienpackung ist für immer mehr Deutsche das falsche Format: 43 Prozent der Haushalte in Deutschland bestehen inzwischen aus nur einer Person. Der Anteil der Einpersonenhaushalte ist seit 2010 um rund vier Prozentpunkte gestiegen – und der Trend dürfte sich nach Einschätzung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) fortsetzen. Doch viele Produkte und Dienstleistungen passen nicht zum Alltag von Alleinlebenden, so das Ergebnis einer neuen Studie unter mehr als 13.000 Verbrauchern in Deutschland und elf weiteren Ländern. Jeweils 60 Prozent der deutschen Solo-Haushalte sind mit dem Angebot bei Lebensmitteln, verpackten Snacks und alkoholfreien Getränken unzufrieden. Bemängelt werden dabei beispielsweise zu große Portionsgrößen oder nicht wiederverschließbare Verpackungen.

Solo-Haushalte sind längst keine Nische mehr

„Obwohl der klassische Familienhaushalt längst nicht mehr der selbstverständliche Normalfall ist, sind viele Angebote noch genau darauf zugeschnitten“, sagt Marcus Kroth, Partner und Handelsexperte bei BCG. „Wer allein einkauft, braucht andere Packungsgrößen und Angebote. Eine Familienpackung zum vermeintlich günstigen Preis ist kein gutes Angebot, wenn am Ende ein Teil davon im Abfall landet.“ Die Hersteller- und Händlerseite sollte vor diesem Hintergrund ihre Angebote überdenken, so die Empfehlung des Experten. Denn auch wirtschaftlich ist die Gruppe der Alleinlebenden relevant: Marktübergreifend geben Solo-Haushalte pro Kopf zwei- bis dreimal so viel aus wie Mehrpersonenhaushalte. Gleichzeitig sagen je nach Kategorie 50 bis 70 Prozent der Alleinlebenden, dass Produkte und Dienstleistungen nicht für Menschen wie sie konzipiert seien – eine nicht zu vernachlässigende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.

Alleinleben ist für viele Menschen eine bewusst gewählte und positiv besetzte Lebensform: 85 Prozent der Befragten in Deutschland verbinden damit Kontrolle über die eigenen Entscheidungen, 77 Prozent mit Ruhe und 75 Prozent mit Unabhängigkeit. Doch diese positiven Aspekte schlagen sich nicht ausreichend im Angebot am Markt nieder. Das zeigt sich auch bei Reisen (58 % Unzufriedenheit mit Angeboten für Solo-Haushalte) und bei Restaurants und Take-away (48 % Unzufriedenheit). Vor diesem Hintergrund wird deutlich: „Alleinlebende sind keine Zielgruppe, für die man einfach ein paar kleinere Packungen ins Regal stellt“, so Kroth. „Wenn mehr als vier von zehn Haushalten nur noch aus einer Person bestehen, verändert das den gesamten Massenmarkt, vom Wocheneinkauf über Lieferdienste bis zu Reisen, Versicherungen und Wohnen.“

Was Verbrauchern jetzt wichtiger wird

Der Trend zum Alleinleben ist jedoch nur eine von mehreren Veränderungen, die laut Studie derzeit das Konsumverhalten stark prägen. Auch die Ansprüche an Produkte verändern sich: Weltweit würden 67 Prozent der Verbraucher ein Produkt nicht kaufen, obwohl sie es sich leisten könnten, wenn sie darin keinen ausreichenden Gegenwert sehen. Neben dem Preis zählen damit stärker die Qualität, der konkrete Nutzen und die Frage, wie gut ein Angebot zum eigenen Alltag passt. Und auch die eigene Gesundheit spielt beim Konsumverhalten eine größere Rolle: 44 Prozent der Verbraucher in Deutschland legen besonderen Wert darauf, möglichst lange gesund zu leben. Das beeinflusst ihre Entscheidungen in den verschiedensten Feldern, von Ernährung und Bewegung über Hautpflege bis hin zur finanziellen Vorsorge.

Gleichzeitig verändert sich, wie Verbraucher Produkte suchen und auswählen. In Deutschland nutzen inzwischen 24 Prozent künstliche Intelligenz bei Kaufentscheidungen, gegenüber fünf Prozent im Jahr 2025. KI hilft dabei nicht nur, bekannte Produkte zu vergleichen: Bei 58 Prozent der KI-gestützten Kaufprozesse erweitert sich die Auswahl der berücksichtigten Marken, nur bei sieben Prozent wird sie kleiner. Jeder zweite deutsche KI-Nutzer nennt die Entdeckung neuer Marken als einen der wichtigsten Vorteile. Noch wichtiger ist die Orientierung im Angebotsdschungel: Für 66 Prozent liegt ein wesentlicher Vorteil darin, von KI schnell eine konkrete Antwort zu erhalten, statt sich durch eine Fülle von Informationen arbeiten zu müssen.

Der Einkauf wird persönlicher

Insgesamt verdeutlicht die Studie, wie sich der Konsumalltag der Deutschen an mehreren Stellen gleichzeitig verändert: Sie leben häufiger allein, achten stärker auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und die eigene Gesundheit und lassen sich bei der Suche nach dem richtigen Produkt zunehmend von KI beraten. Für den Einkauf der Zukunft dürfte deshalb nicht allein entscheidend sein, was ein Produkt kostet, sondern wie gut es zum individuellen Leben passt: „Verbraucher haben heute Zugang zu mehr Informationen denn je, doch gleichzeitig wird es für sie immer schwieriger, daraus eine Entscheidung abzuleiten“, sagt Kroth. „Dabei sehen wir besonders deutlich, wie schnell KI diese Lücke besetzt: Sie filtert Informationen, vergleicht Angebote und gibt konkrete Empfehlungen. Damit verändert sie, wie Menschen einkaufen und welchen Marken sie dabei überhaupt noch begegnen.“

Pressekontakt:

Felix Kupferer
Media Relations Specialist
T +49 151 67014360

Über die Studie

Für die Analyse „Finding Growth with Global Consumers“ hat BCG mehr als 13.000 Verbraucher in zwölf Märkten befragt: Brasilien, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Südkorea, Schweden, Türkei, Vereinigtes Königreich und USA. Die Untersuchung umfasst Konsumentenverhalten, Einstellungen und Ausgabenabsichten in 13 Produkt- und Dienstleistungskategorien. Ergänzend führte BCG mehr als 100 qualitative Tiefeninterviews durch und analysierte mehr als 1.000 Marken auf Basis der eigenen Konsumentenforschung aus den Jahren 2022 bis 2026.

Über BCG

Die Boston Consulting Group hilft führenden Unternehmen und Organisationen weltweit, ihre Ambitionen in messbare Ergebnisse zu überführen. Was uns dabei seit jeher auszeichnet: strategische Klarheit – heute verstärkt durch angewandte KI – gestützt auf mehr als 60 Jahre Erfahrung und fundiertes Branchenwissen. BCG arbeitet weltweit und branchenübergreifend eng mit CEOs sowie Entscheiderinnen und Entscheidern zusammen, um tiefgreifende Veränderungen in großem Maßstab zu ermöglichen: höhere Renditen, nachhaltig aufgebaute Kompetenzen und Veränderung, die bleibt. BCG ist mit rund 33.500 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten und erzielte 2025 einen weltweiten Umsatz von 14,4 Milliarden US-Dollar.

Weitere Informationen hier: www.bcg.com

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