- 96 % der europäischen Topmanager fürchten schwerwiegende Folgen, wenn Europa seine wirtschaftlichen Interessen nicht schützt
- Etwa 90 % der C-Level-Entscheider rechnen mit Stellenabbau, Offshoring oder sinkender Investitionsfähigkeit – deutlich mehr als im April 2025
- Wirtschaft und Bürger sehen eine engere Zusammenarbeit innerhalb Europas als zentralen Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit
München—Unternehmen und Bürger sehen Europas ökonomische Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr: 96 Prozent der europäischen Topmanager und 85 Prozent der Bürger halten daher den Schutz der europäischen Wirtschaftsinteressen für zwingend notwendig. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen „European Competitiveness Barometer“ der Boston Consulting Group (BCG), für das 850 Topmanager und 6.400 Bürger in 30 europäischen Ländern befragt wurden. Vier von fünf der befragten Führungskräfte und Bürger fordern laut der Untersuchung radikale Reformen der EU-Regulierung und eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der EU. Die Sorgen der Spitzenmanager gelten zunehmend den wirtschaftlichen Folgen einer weiter sinkenden Wettbewerbsfähigkeit: Ohne wirkungsvolle Gegenmaßnahmen rechnen 93 Prozent mit Stellenabbau – das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2025, 90 Prozent (+10 Prozentpunkte) erwarten, dass Unternehmen ihre Standorte außerhalb Europas verlagern, 88 Prozent gehen von einer sinkenden Investitionsfähigkeit aus (+11 Prozentpunkte). Dennoch ist mit zwei Dritteln (67 %) die Mehrheit der Führungskräfte optimistisch, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas noch gestärkt werden kann.
Italiener optimistisch – in Deutschland und Frankreich überwiegt Skepsis
Auf Seiten der Bevölkerung zeichnet sich hingegen ein anderes Bild ab: Drei Viertel der befragten europäischen Bürger fürchten einen dauerhaften Niedergang der Wirtschaft Europas. „Es besteht wirklich dringender Handlungsbedarf. Noch kann Europa gegensteuern, doch das Zeitfenster wird kleiner. Die Wettbewerbsfähigkeit stagniert, wirtschaftliche und soziale Risiken wachsen. Die anfängliche ‚Jetzt-erst-recht‘-Haltung nach den US-Zollankündigungen hat schnell an Kraft verloren. Jetzt braucht Europa klare Entscheidungen und konsequentes Handeln“, sagt BCG-Europachef Matthias Tauber. Die Studie zeigt, dass nur ein Bruchteil der europäischen Bevölkerung optimistisch ist – am wenigsten zuversichtlich sind demnach Befragte aus Deutschland und Frankreich. Dort gaben etwa 70 Prozent an, pessimistisch auf Europas globale Wettbewerbsfähigkeit zu blicken. Auch in der Wirtschaft bröckelt der Optimismus: Die Hoffnung, dass die Ankündigung hoher US-Strafzölle am „Liberation Day“ mutige Schritte auslösen würde, ist bereits verflogen. Eine Ausnahme bildet Italien: Dort ist der Optimismus der Unternehmenslenker seit April vergangenen Jahres um sieben Prozentpunkte gestiegen und liegt damit europaweit an der Spitze. In Deutschland ist der Optimismus gegenüber dem Frühjahr hingegen um 21 Prozentpunkte auf 60 Prozent zurückgegangen, der höchste Rückgang unter allen befragten Ländern.
Besonders die Jüngeren wollen mehr Europa
Trotz der eingetrübten Stimmung sind sich Wirtschaft und Bevölkerung in einem Punkt einig: Nicht weniger, sondern mehr Europa ist der zentrale Hebel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. 64 Prozent der von BCG befragten europäischen Unternehmenslenker sprechen sich dafür aus, Entscheidungen stärker auf europäischer Ebene zu bündeln und nur 18 Prozent wollen zurück zu nationalen Lösungen. Auch in der Bevölkerung überwiegt diese Haltung deutlich: 61 Prozent der Bürger plädieren für mehr Europa, lediglich 19 Prozent dagegen. Besonders ausgeprägt ist die Zustimmung in den jüngeren Altersgruppen. BCG-Europachef Matthias Tauber: „Die deutliche Unterstützung der jüngeren Generation unterstreicht, dass eine wettbewerbsfähige Europäische Union als Investition in wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit verstanden wird.“
Führungskräfte fordern tiefgreifende Reformen mit klaren Prioritäten
Der Ruf nach mehr Europa ist allerdings kein Plädoyer für den Status quo, sondern für eine deutliche Reform bestehender Strukturen: Rund 80 Prozent der Spitzenmanager sehen einen grundlegenden Veränderungsbedarf, knapp 40 Prozent halten sogar eine fundamentale Neuordnung für notwendig. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach tiefgreifendem Wandel erneut in Frankreich und Deutschland, während in den nordischen Ländern und in Italien der Reformbedarf weniger dringlich eingestuft wird. Gleichzeitig fordern die Unternehmenslenker eine fokussierte Umsetzung: 95 Prozent plädieren für eine Konzentration auf wenige zentrale EU-Mitgliedsländer. Zudem sprechen sich 91 Prozent für klare Prioritäten sowie ausgewählte Schlüsselindustrien aus, insbesondere Energie und Verteidigung. Über alle Branchen hinweg gibt es breite Einigkeit über mehrere zentrale Handlungsfelder – darunter vereinfachte Regulierung, die Förderung europäischer Champions, Entlastungen für Unternehmen, bessere Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere Kapitalmarktintegration.
Mehr Mitsprache für die Wirtschaft gewinnt breite Zustimmung
Um den Reformstau zu überwinden, wächst der Wunsch nach einer stärkeren Rolle der Wirtschaft in öffentlichen Entscheidungsprozessen. Knapp drei Viertel der Bürger (76 %) sprechen sich dafür aus, dass Unternehmen Verantwortung in Regierungen oder öffentlichen Institutionen übernehmen, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Auch in der Wirtschaft selbst ist die Bereitschaft dazu hoch: Etwa neun von zehn Unternehmensentscheider befürworten dies (93 %) und halten eine EU-weite CEO-Arbeitsgruppe für sinnvoll (91 %). 84 Prozent von ihnen wären bereit, sich dabei auch persönlich einzubringen. Gleichzeitig erwarten die Entscheider allerdings neue, klar definierte Formen der Zusammenarbeit, ohne unternehmerische und politische Rollen zu vermischen. „Die Bereitschaft der Wirtschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist groß und wird von der Gesellschaft klar getragen“, so Tauber. „Entscheidend ist nun, schnell Strukturen zu schaffen, in denen dieses Engagement wirksam werden kann.“
Pressekontakt:
Boston Consulting Group
Simona Gulich
Media Relations Specialist
T +49 151 10386025
Über den Report
Der Report „European Competitiveness Barometer“ basiert auf einer europäischen Online-Befragung von 850 C-Level-Führungskräften zur Wettbewerbsfähigkeit Europas, die im November 2025 durchgeführt wurde. Befragt wurden Unternehmenslenker aus 30 Ländern Europas. Die Teilnehmer repräsentieren ein breites Branchenspektrum, darunter Industrie und Transport, Energie, Banken und Versicherungen, Technologie, Medien und Telekommunikation, Konsumgüter sowie Luft- und Raumfahrt und Verteidigung. Die befragten Unternehmen decken unterschiedliche Größenordnungen ab – von Umsätzen ab 500 Millionen US-Dollar bis zu Konzernen mit mehr als 50 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.
Ergänzend wurden rund 6.400 Bürgerinnen und Bürger in 30 Ländern Europas befragt. Die Stichprobe ist nach Alter, Geschlecht und beruflicher Situation breit diversifiziert. Die Ergebnisse wurden im Kontext einer vorangegangenen Befragung aus dem April 2025 eingeordnet.
Über BCG
Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie.
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BCG ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar.
Weitere Informationen:
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