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München—Zusätzliche Wertschöpfung, resilientere Lieferketten, geringere Rohstoffabhängigkeiten und ein messbarer Beitrag zum Klimaschutz – die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) ist ein strategischer Wachstumsmotor für den Industriestandort Deutschland. Die Boston Consulting Group (BCG) hat im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) die Effekte der Kreislaufwirtschaft auf die Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie sowie Textil untersucht. Diese stehen für mehr als 60 Prozent der industriellen Wertschöpfung in Deutschland. Die Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz: Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie“ zeigt: Die zirkuläre Bruttowertschöpfung kann sich von heute 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 mehr als verdoppeln – und das innerhalb bestehender Industrie- und Wertschöpfungsstrukturen. Die zusätzliche Wertschöpfung kann sich kumuliert bis 2045 auf bis zu 880 Milliarden Euro summieren.  

Importabhängigkeit gefährdet den Industriestandort  
  
Die deutsche Industrie ist bei Schlüsselmaterialien für Zukunftstechnologien hochgradig von Importen abhängig. Bei Rohstoffen wie Lithium, Nickel und Seltenen Erden liegt die Importquote bei nahezu 100 Prozent. Entsprechend schlagen geopolitische Spannungen, Exportrestriktionen und Preissprünge direkt auf Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit durch. Zudem verschärft sich der globale Wettbewerb um ein begrenztes Angebot an kritischen Rohstoffen; Kupfer und Aluminium verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren um rund 60 Prozent, und der Lithiumpreis schwankte zwischen 10.000 und mehr als 50.000 Euro pro Tonne. Silber erzielte Anfang 2026 ein neues Allzeithoch – getrieben durch wachsende Nachfrage aus Elektromobilität und Erneuerbaren Energien, während die Förderkapazitäten global kaum Schritt halten konnten.  
  
„Bis 2040 wird die Nachfrage nach kritischen Mineralien das Primärangebot übersteigen. Die hohe Importabhängigkeit bei Schlüsselrohstoffen ist schon heute die Achillesferse des Industriestandorts Deutschland. Kreislaufwirtschaft kann helfen, diese Verwundbarkeit zu verringern – zusammen mit mehr Diversifizierung sowie heimischer Rohstoffförderung und -verarbeitung“, sagt Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI.   
  
Die Analyse zeigt: Recycling und Wiederverwendung könnten bis zum Jahr 2045 zwischen 20 und 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Damit könnte die Importabhängigkeit besonders deutlich sinken – bei Seltenen Erden um bis zu 20 Prozent, bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. Hinzu kommt ein relevanter Klimaeffekt: Die Treibhausgasemissionen könnten um weitere 11 Millionen Tonnen reduziert und die Kosten der Energiewende bis 2045 kumuliert um fast 40 Milliarden Euro gesenkt werden. Die Wiederverwendung und Aufbereitung von Komponenten für Windturbinen, Transformatoren und Batterien ermöglicht einen kosteneffizienteren Aufbau der Energiewende-Infrastruktur und verringert zugleich die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen.  
  
„Kreislaufwirtschaft ist kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern in vielen Bereichen ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell“, sagt Patrick Herhold, Co-Leiter des Bereichs Klima und Nachhaltigkeit bei BCG und Senior Partner. „Wert kann dort entstehen, wo Unternehmen Materialflüsse kontrollieren, Rückgewinnung industriell skalieren und Sekundärrohstoffe wettbewerbsfähig einsetzen.“  
 
Standortvorteil für Deutschland   
  
Deutschland hat gute Voraussetzungen, um aus einer ambitionierten Circular Economy einen Standortvorteil zu entwickeln. Bis 2045 könnten jährlich bis zu 83 Millionen Tonnen Rezyklate verfügbar gemacht und zentrale Materialströme stärker im Inland gehalten werden. Darüber hinaus eröffnet die Kreislaufwirtschaft zusätzliche Wachstumsmärkte – etwa für Anlagen und Software mit einem globalen Volumen von über 150 Milliarden Euro. Gemeint sind damit vor allem Sortier- und Recycling-Technologien – ein Wachstumsmarkt, in dem der deutsche Maschinenbau als Technologieführer eine Schlüsselrolle einnehmen kann.  
  
Auch auf Unternehmensebene zeigt sich erhebliches Potenzial: Remanufacturing- und Refurbishment-Modelle können höhere Margen erzielen als die klassische Neuproduktion und neue Kundensegmente erschließen. Entscheidend ist nun, dieses Potenzial in industrielle Skalierung und wirtschaftlich tragfähige Anwendungen zu übersetzen. Mit Einmalinvestitionen von rund 20 Milliarden Euro bis 2045 ließe sich die Circular Economy in Deutschland gezielt ausbauen und zusätzliche Wertschöpfung im Inland halten.  
 
„Mehr Umsatz und Ertrag – mit weniger Materialeinsatz und neuen Geschäftsmodellen: Wer Materialflüsse kontrolliert, Rohstoffe zurückgewinnt und zirkuläre Geschäftsmodelle skaliert, schafft sich strukturelle Kostenvorteile und eröffnet neue Wachstumsfelder. Deutschland kann gerade durch seine industrielle Basis und technologische Stärke eine führende Rolle in der Kreislaufwirtschaft einnehmen und daraus einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil entwickeln“, sagt Alexander Meyer zum Felde, BCG-Partner und globaler Leiter für Kreislaufwirtschaft und Recycling.  
 
„Kreislaufwirtschaft stärkt den Industriestandort gleich doppelt: Sie reduziert kritische Abhängigkeiten und schafft zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland. Jetzt kommt es darauf an, Investitionen in zirkuläre Infrastruktur, Recycling- und Verwertungskapazitäten zu beschleunigen, Genehmigungsverfahren zu verkürzen, Märkte für Rohstoffe der Circular Economy zu entwickeln sowie Normen und Standards so weiterzuentwickeln, dass zirkuläre Produkte schneller in die industrielle Anwendung kommen“, sagt Holger Lösch. 

Pressekontakt:

Boston Consulting Group (BCG)
Julia Schmid
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Weitere Informationen: www.bdi.eu   

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