Die größten Emittenten der deutschen Wirtschaft sind zu Kehrtwende beim CO₂-Ausstoß bereit

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  • Ziele der größten CO₂-Verursacher gehen in vielen Fällen weit über Klimaforderungen der Politik an die Unternehmen hinaus
  • Klimaschutz ist für Deutschland wachstumsfördernd // Etwa ein Prozent BIP-Zuwachs bei gut gesteuerter Umsetzung möglich
  • 2-Grad-Pfad von Paris erfordert unmittelbare und drastischere Umsteuerung als geplant // Neue BCG-Analyse

Düsseldorf, 12. November 2020 – In weiten Teilen der Wirtschaft ist der Klimaschutz angekommen: Allein 25 der 30 Unternehmen mit dem höchsten CO2-Ausstoß in Deutschland haben derzeit ambitioniertere Klimaziele als die Bundesregierung. Die 30 größten Emittenten stoßen gemeinsam weltweit etwa halb so viel CO2 aus wie Deutschland insgesamt und sind damit essenziell für das Gelingen der Klimawende in Deutschland und darüber hinaus. Ihre geplanten Vorhaben zur Emissionsreduktion gehen über das hinaus, was die Bundesregierung von ihnen verlangt. Das zeigt die Analyse „Alles auf Null – Neun neue Perspektiven zum Klimaschutz in Deutschland“ der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

Der deutsche Klimaschutzplan strebt aktuell eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 an. Der EU Green Deal sieht demgegenüber für die kommenden zehn Jahre für Europa eine um zehn Prozent höhere Verminderung der Emissionen vor als bisher geplant, d. h. für Deutschland von etwa 65 Prozent gegenüber 1990, sowie Nullemissionen bis spätestens 2050. Das entspricht in etwa einem 2-Grad-Pfad.

„Klimaschutz ist für die Wirtschaft keine Belastung, sondern eine Chance. Selbst die Unternehmen mit den höchsten CO2 -Ausstößen haben die Herausforderung zum Klimaschutz längst angenommen und stellen sich ihr“, sagt BCG-Partner Patrick Herhold, Leiter des BCG Center for Climate Action und einer der Autoren.

Unkontrollierte Erderwärmung bedroht Wachstum weltweit

Wie die Analyse zeigt, können Klimaschutzinvestitionen in vielen Ländern zudem das Netto-Wirtschaftswachstum beschleunigen. So könnte etwa in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt um rund ein Prozent steigen. Erwärmt sich die Erde dagegen weiter unkontrolliert, hätte das Einbußen beim Wachstum zur Folge – mindestens 30 Prozent der gesamten globalen Wirtschaftsleistung wären denkbar.

„Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist Klimaschutz kein Wirtschaftskiller – im Gegenteil, die ökonomischen Vorteile überwiegen. Klimavorreiter profitieren am Kapitalmarkt, selbst in stark emittierenden Branchen“, erklärt Jens Burchardt, BCG-Partner und Klimaexperte. Unternehmen in emissionsintensiven Industrien wie Energie, Stahl, Zement und Chemie, die ihren CO₂-Ausstoß reduzieren, erreichen ein um zehn bis 15 Prozent höheres Preis-Umsatz-Verhältnis als der Branchendurchschnitt. Nachzügler werden in ähnlichem Umfang schlechter bewertet. „Es ist also mehr als an der Zeit, die Weichen neu zu stellen“, folgert Burchardt.

Was den Ausstoß von CO2 wirkungsvoll verringert

Um die verschärften Ziele aus dem EU Green Deal zu erreichen und damit das Paris-Abkommen umzusetzen, bedarf es in Deutschland schon heute eines drastischen Umsteuerns. „Der gerade getroffene Kohlekompromiss müsste wieder aufgeschnürt und die Kohlekraftwerke müssten bereits bis 2032 statt 2038 stillgelegt werden“, erläutert Jens Burchardt. „In den Sektoren Verkehr und Gebäude wäre schon in den kommenden zehn Jahren ein weitgehender Ausstieg aus dem Verkauf fossiler Technologien erforderlich – für Autos mit Verbrennungsmotoren bis Anfang der 30er Jahre, für Öl- und Gasheizungen sogar schon 2025.“ Zudem müsste sich die Dekarbonisierung der Industrie um den Faktor drei beschleunigen. „Künftiges Wachstum sollte in Deutschland nicht mehr aus Kohlestrom, Verbrennungsmotoren und anderen fossilen Technologien stammen. Es ist wichtig, Technologien mit globalem Wachstumspotenzial wie erneuerbare Energien, E-Autos, Wasserstoff und andere Klimatechnologien zu fördern“, betont Burchardt.

Die Analyse der BCG-Experten empfiehlt ein sektorübergreifendes Klimainvestitionsprogramm, beispielsweise für Stromnetze, Ladesäulen, die Wasserstoffproduktion oder Gebäudesanierung. Außerdem müssten in allen Sektoren deutlich umfangreichere Anreize für klimaneutrale Lösungen geschaffen werden –auch über einen wirksameren CO2-Preis. „Wir können und müssen Klimaschutz in Deutschland anders denken“, sagt Studienautor Patrick Herhold. „Als Wirtschaftsprogramm, als Garant für zukünftigen Wohlstand, sogar als Zukunftsvision – und nicht nur als notwendigen Beitrag zur Verhinderung einer Katastrophe. Die Wirtschaft ist bereit dazu, wie ihre Vorhaben zur Emissionsreduktion belegen.“

Alles auf Null – Neun neue Perspektiven zum Klimaschutz in Deutschland“ kann hier heruntergeladen werden.

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