- Analyse von BCG und Inverto zeigt: Eigenmarken werden für Händler zum strategischen Wachstumstreiber, besonders im Non-Food-Bereich
- Für viele punkten Eigenmarken auch in Sachen Qualität: 66 % der deutschen Verbraucher greifen aufgrund des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses zu
- Eine zentrale Rolle in der Entwicklung kommt dem Einkauf zu – eine starke Lieferkette bietet Händlern erhebliches Margenpotenzial
Düsseldorf—Eigenmarken sind für Händler längst zu strategischen Wachstumstreibern und für Verbraucher zu attraktiven Alternativen zu etablierten Marken geworden. Eine neue Analyse von Boston Consulting Group (BCG) und Inverto zeigt: Insbesondere im Non-Food-Segment entwickelt sich das Geschäft mit Eigenmarken nun zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Händler, die ihre Eigenmarken professionell wie Herstellermarken führen, können höhere Margen erzielen, neue Kundengruppen gewinnen und deren Markenbindung nachhaltig stärken. Die Analyse unterstreicht, dass Eigenmarken heute nicht mehr nur als „günstige Alternative“ wahrgenommen, sondern häufig mit Qualität assoziiert werden. Inzwischen ist es auch keine Seltenheit mehr, dass Eigenmarken in unabhängigen Tests besser abschneiden als führende Markenprodukte. Entsprechend präferieren zwei Drittel der deutschen Verbraucher (66 %) diese für ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, so die Untersuchung von BCG und Inverto.
Investitionen in Eigenmarken zahlen sich aus – für Händler und Verbraucher
„Wir sehen einen klaren Paradigmenwechsel, sowohl im Handel als auch im Verbraucherverhalten“, sagt Marcus Kroth, Partner und Handelsexperte bei BCG. „Selbst Eigenmarken im Non-Food-Bereich entwickeln sich zu echten Exklusivmarken der Händler, die sich bei Verbrauchern großer Beliebtheit erfreuen.“ Jüngere Verbraucher haben einst gängige Vorbehalte gegenüber Eigenmarken nahezu vollständig abgelegt: Auf TikTok erzielen beispielsweise #dupe-Videos inzwischen Milliarden Abrufe – ein deutliches Zeichen dafür, dass für die Gen Z oftmals das Preis-Leistungs-Verhältnis stärker zählt als das Prestige der Absendermarke. Diese „Dupe-Kultur“ befeuert die Offenheit für Non-Food-Eigenmarken und beschleunigt deren Durchbruch im Massenmarkt. Besonders gut gelingt dieser denjenigen Händlern, die ihre Eigenmarken wie echte Marken führen – mit datenbasierter Sortimentssteuerung, emotionalem Branding, ästhetischem Verpackungsdesign und prominenter Sichtbarkeit auf allen Verkaufskanälen.
Erste Händler gehen sogar einen Schritt weiter: Sie setzen für ihre wichtigsten Eigenmarken auf eigene Microsites, Social-Media-Profile bis hin zur Präsenz auf externen Marktplätzen, um Reichweite und Markenwahrnehmung zu steigern. Bei der Umsetzung einer entsprechenden Eigenmarken-Strategie steht der Handel jedoch vor einigen Herausforderungen: „Bei Non-Food-Artikeln – von Kosmetik über Bekleidung bis hin zu Werkzeug und Power Tools – sind die Qualitätsanforderungen besonders hoch“, so Kroth. „Verbraucher erwarten Produkte, die mindestens das Niveau führender Herstellermarken erreichen. Gleichzeitig steigt auch bei Eigenmarken der Anspruch an Design, Nachhaltigkeit und das Einkaufserlebnis.“ Händler, die bei ihren eigenen Marken konsequent auf Qualität, Markenaufbau und Omnichannel-Präsenz setzen, werden sich deshalb nachhaltig vom Wettbewerb differenzieren, ist der Experte überzeugt: „Wer jetzt in starke Eigenmarken investiert, verschafft sich einen Vorsprung, den Wettbewerber nur schwer einholen können. Eigenmarken sind nicht länger eine bloße Ergänzung, sondern ein Kernstück moderner Retail-Strategien.“
Gut aufgestellter Einkauf und starke Lieferkette als Basis des Erfolgs
Ein zentraler Hebel sind dabei Einkauf und Lieferketten-Optimierung: Diese stellen heute stärker denn je den strategischen Kern eines erfolgreichen Eigenmarkenaufbaus dar. Dabei zahlen sich besonders langfristige Partnerschaften, transparente Kostenmodelle und agile, regionale Beschaffungsstrukturen aus: „Erfolgreiche Händler kombinieren heute globale Effizienz mit lokaler Geschwindigkeit in einem ‚glocal sourcing‘-Ansatz. Dazu gehören gemeinsam mit Lieferanten durchgeführte Wertanalysen, klar strukturierte Entwicklungsprozesse und zunehmend auch KI-gestütztes Forecasting“, erläutert Simone Hilbring, Managing Director und Expertin für Konsumgüter bei Inverto. Händler, die KI-basierte Prognosemodelle nutzen, steigern ihre Planungsgenauigkeit um 10 bis 20 Prozent. Dies vermindert durch Fehlprognosen ausgelöste Rabatt-Aktionen und verbessert die Versorgungssicherheit deutlich. So kann Konsumentennachfrage stets angemessen befriedigt werden und das Risiko, dass Verbraucher bei Nichtverfügbarkeit zu einem anderen Produkt greifen, sinkt.
Wer Hebel wie diese beherrscht, kann zudem Sortimente schneller, günstiger und in besserer Qualität an den Markt bringen. Für Hilbring steht deshalb fest: „Ein gut aufgestellter Einkauf und eine starke Lieferkette sind die Grundlage für den Erfolg von Non-Food-Eigenmarken. Dazu gehören anhand klarer Ziele ausgewählte Lieferanten, strenge Qualitätskontrollen und ein kluges Bündeln von Bedarfen über Länder hinweg, wo dies möglich ist.“ Auch durch KI-gestützte Analysen lassen sich Sortimente länderübergreifend harmonisieren und gleichzeitig lokale Bedürfnisse berücksichtigen. Händler, die ihre Beschaffung entsprechend aufsetzen und globale mit lokalen Prozessen verbinden, können erhebliche Margenpotenziale heben. Richtig umgesetzt, können die Eigenmarken der Händler nicht nur mit großen Herstellermarken mithalten, sondern sie sogar bei Geschwindigkeit und Kundennähe übertreffen. Somit wird das Eigenmarkenportfolio eines Händlers zu einer der wichtigsten Optionen zur Profilierung am Markt: „Die Händler, die heute strategisch in ihre Eigenmarken investieren, prägen morgen entscheidend das Wettbewerbsumfeld“, ist Hilbring überzeugt.
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Über den Report
Der Report „The Next Private Label Frontier: How Retailers Can Win in Non-Food Categories“ stützt sich auf aktuelle Marktdaten, Handelskennzahlen sowie BCG-Konsumentenstudien. Zudem sind Erfahrungen und Beispiele aus der umfangreichen Projekt- und Benchmarkerfahrung von BCG und Inverto eingeflossen. Ziel der zugrundeliegenden Untersuchung war es, die zentralen Werthebel für den Handel entlang der gesamten Eigenmarken-Wertschöpfungskette aufzuzeigen – um dadurch Handelsunternehmen eine fundierte, praxisorientierte Grundlage für den Aufbau und die Skalierung erfolgreicher Non-Food-Eigenmarken zu bieten.
Über BCG
Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können. BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft – von digitalen Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures.
Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven – sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei unseren Kunden – über alle Organisationsebenen hinweg. BCG ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar.
Weitere Informationen: www.bcg.com
Über Inverto
Inverto ist eine der weltweit führenden Unternehmensberatungen für strategischen Einkauf und Supply-Chain-Management. Die Beratungsgesellschaft geht mit ihren Services weit über reines Kostenmanagement hinaus, um für ihre Kunden echten Mehrwert und Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Inverto transformiert Einkaufs- und Lieferkettenfunktionen, fördert Innovation, Resilienz und Nachhaltigkeit und ermöglicht damit langfristigen Erfolg.
Als Tochter der Boston Consulting Group (BCG) erweitert Inverto das umfangreiche Leistungsangebot von BCG mit einer breiten Palette Lösungen zur Optimierung des Einkaufs. Inverto beschäftigt derzeit mehr als 600 Expert:innen auf drei Kontinenten. Zu den Kunden zählen weltweit bekannte Marken aus allen Branchen sowie führende Private-Equity-Firmen.
Weitere Informationen: https://www.inverto.com/en/