- Neue BCG-Analyse zeigt: Nicht KI-Strategien, sondern deren Umsetzung wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
- Japan und Südkorea holen im globalen KI-Wettbewerb deutlich auf und zählen inzwischen zu den weltweit führenden KI-Standorten
- Deutschland punktet bei Forschung und industrieller KI, hat aber Nachholbedarf bei spezialisierten Fachkräften
Düsseldorf—Der internationale Wettbewerb um künstliche Intelligenz gewinnt weiter an Dynamik: Laut einer neuen Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) haben sich seit 2024 acht Volkswirtschaften bei den Voraussetzungen für den KI-Einsatz so deutlich verbessert, dass sie in eine höhere Bewertungsgruppe aufgestiegen sind. Besonders Japan und Südkorea haben aufgeholt und gehören nun gemeinsam mit den USA, China, Großbritannien, Kanada und Singapur zu den weltweit führenden KI-Standorten. Deutschland verbleibt dagegen in seiner bisherigen Bewertungsgruppe und liegt damit weiterhin hinter der internationalen Spitze. Für die Analyse hat BCG 79 Länder daraufhin untersucht, wie stark ihre Wirtschaft durch KI verändert werden könnte und wie gut sie auf deren Einsatz vorbereitet sind. Nahezu alle untersuchten Volkswirtschaften verfügen inzwischen über eine nationale KI-Strategie. Daher entscheidet nun zunehmend die Geschwindigkeit der Umsetzung darüber, wie erfolgreich sie die wirtschaftlichen Potenziale künstlicher Intelligenz nutzen können.
Deutschland baut auf industrielle KI
Während die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle weiterhin stark auf die USA und China konzentriert ist, setzt Deutschland insbesondere auf industrielle KI-Anwendungen: „Deutschland muss nicht jedes KI-Modell selbst entwickeln, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, erklärt Andrej Levin, Senior Partner und KI-Experte bei BCG. „Die große Chance liegt darin, künstliche Intelligenz dort einzusetzen, wo wir bereits über industrielle Kompetenz und jahrzehntelanges Prozesswissen verfügen. Dafür brauchen Unternehmen Zugang zu leistungsfähiger Technologie und Rahmenbedingungen, die Investitionen und Umsetzung erleichtern.“ Über gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen KI-Einsatz verfügt Deutschland unter anderem in der Automobilindustrie, Chemie, Biotechnologie und Medizintechnik. Mit der Weiterentwicklung sogenannter Physical AI, also KI-Systemen zur Steuerung von Maschinen, Robotern und Fahrzeugen, könnten künftig auch industrielle Bereiche wie Produktion und Logistik stärker von KI-bedingten Veränderungen erfasst werden.
Rund 65 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfallen laut BCG-Analyse auf Branchen mit mittlerem oder hohem KI-Veränderungspotenzial. Um dieses Potenzial wirtschaftlich zu nutzen, gewinnen neben qualifizierten Fachkräften insbesondere Investitionen und der Zugang zu leistungsfähiger Recheninfrastruktur an Bedeutung. Insbesondere bei der Verfügbarkeit spezialisierter KI-Fachkräfte besteht hierzulande gegenüber den führenden Volkswirtschaften Nachholbedarf. In Sachen Risikokapital und Finanzierung von KI-Unternehmen weist Deutschland jedoch im internationalen Vergleich Stärken auf. Mit JUPITER verfügt das Land zudem über Europas ersten Exascale-Supercomputer. Hinzu kommen gemeinsame europäische Investitionen in Rechenleistung und Forschungskapazitäten: Bis 2030 sollen die deutschen Rechenzentrumskapazitäten verdoppelt und die Rechenkapazitäten für KI und Hochleistungsrechnen vervierfacht werden.
Gezielte Investitionen beschleunigen KI-Entwicklung
Zwei Aufsteiger stechen in der Auswertung besonders hervor: Japan verbindet eine innovationsfreundliche Regulierung mit umfangreichen Investitionen internationaler Technologieunternehmen und seiner starken Robotikindustrie, während Südkorea gezielt in eigene KI-Modelle und Rechenkapazitäten investiert. Beide Länder haben damit ihre Voraussetzungen für den KI-Einsatz seit 2024 deutlich verbessert und zeigen, wie staatliche Maßnahmen, private Investitionen und technologische Kompetenzen ineinandergreifen können: „Es reicht nicht aus, KI auf politischer Ebene zur Priorität zu erklären. Entscheidend ist, wie schnell daraus Investitionen, Infrastruktur und konkrete Anwendungen entstehen“, erläutert Levin. „Jetzt kommt es darauf an, die Umsetzung zu beschleunigen – von Genehmigungsverfahren für Rechenzentren bis zum KI-Einsatz in der industriellen Produktion.“
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Felix Kupferer
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Über die Analyse
Der Report „AI Maturity Matrix 2026“ ist die zweite Ausgabe einer internationalen Analyse der Boston Consulting Group. Sie untersucht 79 Volkswirtschaften anhand zweier Dimensionen: dem potenziellen Veränderungspotenzial durch künstliche Intelligenz und den Voraussetzungen für ihren erfolgreichen Einsatz. Die KI-Bereitschaft wird anhand von 33 Indikatoren in sechs Bereichen bewertet: nationale KI-Strategien, Fachkräfte, politische und regulatorische Rahmenbedingungen, Investitionen, Forschung und Innovation sowie technologische Infrastruktur. Die erste Ausgabe der Studie erschien 2024 und umfasste 73 Volkswirtschaften.
Über BCG
Die Boston Consulting Group hilft führenden Unternehmen und Organisationen weltweit, ihre Ambitionen in messbare Ergebnisse zu überführen. Was uns dabei seit jeher auszeichnet: strategische Klarheit – heute verstärkt durch angewandte KI – gestützt auf mehr als 60 Jahre Erfahrung und fundiertes Branchenwissen. BCG arbeitet weltweit und branchenübergreifend eng mit CEOs sowie Entscheiderinnen und Entscheidern zusammen, um tiefgreifende Veränderungen in großem Maßstab zu ermöglichen: höhere Renditen, nachhaltig aufgebaute Kompetenzen und Veränderung, die bleibt. BCG ist mit rund 33.500 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten und erzielte 2025 einen weltweiten Umsatz von 14,4 Milliarden US-Dollar.
Weitere Informationen hier: www.bcg.com