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München—Das Wachstum im weltweiten Zahlungsverkehr verliert deutlich an Dynamik: Die Erträge der Payments-Branche steigen künftig nur noch um rund 5 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig werden Zahlungsdienstleister an der Börse mit einem Abschlag von rund 25 Prozent gegenüber ihrer langjährigen Wertentwicklung gehandelt. KI-Agenten unterstützen Verbraucher im Onlinehandel, während KI in Banken zunehmend Zahlungs- und Prüfprozesse automatisiert. Das sind Ergebnisse des Global Payments Report 2026, für den die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) jährlich die weltweiten Zahlungsströme und Erträge der Zahlungsdienstleister analysiert. Deutschland holt im internationalen Vergleich beim digitalen Bezahlen auf: Die Zahl der elektronischen Transaktionen pro Kopf stieg 2025 um rund 10 Prozent und damit stärker als im Durchschnitt der 27 EU-Staaten.

Digitales Bezahlen und Kartentransaktionen werden hierzulande beliebter
Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik bei der Nutzung digitaler Zahlungsmittel dennoch weiterhin zurück: 2025 wurden hierzulande im Schnitt rund 300 elektronische Zahlungen pro Kopf getätigt. Im EU27-Durchschnitt sind es rund 400, in den Nordics rund 700. Norwegen kommt auf rund 800 Transaktionen pro Kopf, Dänemark auf rund 700, Schweden und Finnland auf jeweils rund 600. Im DACH-Vergleich liegt die Schweiz bei rund 450 und Österreich bei rund 350 elektronischen Transaktionen pro Kopf. „Die Deutschen holen beim digitalen Bezahlen zwar auf, bleiben dem Bargeld aber weiterhin treu. Der Abstand zu den nordischen Ländern ist nach wie vor groß“, sagt Dr. Markus Ampenberger, BCG-Experte für Zahlungsverkehr und Co-Autor der Studie.

Auch bei den Kartenzahlungen zeigt sich die deutsche Aufholdynamik: Beim Nutzungsniveau liegt Deutschland weiterhin zurück, die Zahl der Kartenzahlungen wächst aber deutlich schneller als die Vergleichsmärkte. 2025 wurden hierzulande im Schnitt 196 Kartentransaktionen pro Kopf getätigt. Im DACH-Raum waren es 216, in der EU 327 und in den Nordics 539. In den USA liegt der Wert sogar bei 647 Kartentransaktionen pro Kopf. Gleichzeitig weist Deutschland hier eine besonders hohe Wachstumsdynamik auf: Die Zahl der Kartenzahlungen pro Kopf stieg gegenüber dem Vorjahr um 11,3 Prozent – verglichen mit 10,6 Prozent im DACH-Raum, 7,9 Prozent in der EU, 3,3 Prozent in den Nordics und 4,2 Prozent in den USA.

Globale Payment-Erträge wachsen langsamer
Weltweit hat die Zahlungsverkehrsbranche deutlich an Dynamik verloren. Nach Wachstumsraten von zuletzt bis zu 8 Prozent steigen die globalen Erträge laut BCG-Analyse künftig nur noch um rund 5 Prozent pro Jahr. Bis 2030 sollen sie 2,6 Billionen US-Dollar erreichen. Besonders deutlich fällt der Unterschied zwischen den Weltregionen aus: Während der Nahe Osten und Afrika mit rund 8 Prozent sowie Lateinamerika mit 7 Prozent pro Jahr weiterhin kräftig wachsen, kommen Europa und Nordamerika nur noch auf rund 5 Prozent. Auch im deutschen Markt zeigt sich dieses Bild: Die Erträge der Zahlungsdienstleister steigen hierzulande von 42 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf rund 52 Milliarden US-Dollar bis 2030 – und damit spürbar langsamer als in den Jahren zuvor. Investoren weltweit haben auf die schwächere Wachstumsdynamik der Payment-Branche bereits reagiert: Zahlungsdienstleister werden an der Börse mit einem Abschlag von rund 25 Prozent gegenüber ihrem langjährigen Wertentwicklung gehandelt. Wenn die Branche den Turnaround schafft und für Investoren wieder attraktiver wird, könnte sich nach BCG-Schätzungen ein zusätzliches Marktkapitalisierungspotenzial von rund 500 Milliarden US-Dollar erschließen.

Agentic Commerce: Handel sucht neue Zahlungspartner
Wie nachhaltig sich diese Bewertungslücke schließen lässt, entscheidet sich unter anderem im Verhältnis zum Handel, einem Kerngeschäft der Zahlungsdienstleister. Künftig unterstützten immer mehr KI-Agenten im Auftrag von Verbrauchern den Einkauf und lösen perspektivisch auch eigenständig digitale Zahlungen aus. Dieser Agentic Commerce verändert auch die Anforderungen von Handelsunternehmen an ihre Payment-Partner. Eine BCG-Umfrage unter 500 großen Händlern zeigt, dass bereits jedes zweite Unternehmen seinen Anbieter jährlich prüft; 44 Prozent haben in den vergangenen fünf Jahren ihren Merchant Acquirer, also ihren Dienstleister für die Abwicklung von Kartenzahlungen, gewechselt. Noch werden vor allem die großen Technologieplattformen als Kompetenzträger für Agentic Commerce wahrgenommen. Payment-Partner liegen als bevorzugte Ansprechpartner der Handelsunternehmen aber bereits auf Platz zwei. „Wer als Zahlungsverkehrs-Anbieter Authentifizierung, Tokenisierung und delegierte Zustimmungsprozesse für KI-Agenten beherrscht, sichert sich einen Vorteil im Wettbewerb um das Transaktionsvolumen im Agentic Commerce“, sagt Christoph Hochstein, Partner bei BCG und Co-Autor der Studie.

KI hält Einzug im Transaction Banking
Auch im Hintergrund der Zahlungsabwicklung, im Transaction Banking der Institute, setzt KI neue Automatisierungsschübe frei. Im Handelsfinanzierungsgeschäft liegt der Anteil vollständig automatisierter Transaktionen bislang nur bei 30 bis 70 Prozent, weil viele Dokumente noch manuell geprüft werden müssen. KI kann diesen Anteil deutlich erhöhen. KI-gestützte Dokumentenanalysen erreichen bei Branchenvorreitern inzwischen eine Genauigkeit von über 85 Prozent. So lässt sich die Kontrolle entlang der gesamten Handelskette automatisieren, vom Frachtbrief bis zur Geldwäscheprüfung. Künstliche Intelligenz wird auch bei der Fehlerkorrektur von Zahlungsaufträgen und im Sanktionsscreening immer häufiger eingesetzt. Diese Bereiche tragen überproportional zu den Betriebskosten der Banken im Zahlungsverkehr bei.

Zahlungsinfrastruktur wird zur Frage nationaler Souveränität
Auch geopolitisch verändert sich die Branche: Immer mehr Regierungen behandeln Zahlungsinfrastruktur als strategische Ressource. Aus wenigen globalen Netzwerken entsteht zunehmend ein Flickenteppich regionaler Systeme. Bereits 137 Länder verfügen über eigene Echtzeit-Zahlungssysteme, die oft staatlich getragen sind, wie etwa Indiens UPI mit mehr als 20 Milliarden Transaktionen im Monat. Auch Europa positioniert sich. Im Juli 2026 billigte das EU-Parlament Verhandlungen zum digitalen Euro, den die EZB als Schutz vor nicht-europäischen Kartensystemen und dollargebundenen Stablecoins versteht. „Systemkritische Zahlungsinfrastruktur wird zum Instrument nationaler Politik“, betont Markus Ampenberger. „Langfristig sind die Payment-Anbieter erfolgreich, die ihren Kunden Zugang und Reichweite über das fragmentierte System hinaus verschaffen.“

Pressekontakt:

Simona Gulich
Media Relations Specialist
T +49 151 1038 6025

Über die Studie

Der BCG Global Payments Report erscheint in diesem Jahr zum 24. Mal und analysiert jährlich die Entwicklung der weltweiten Zahlungsverkehrsbranche. Die aktuelle Ausgabe trägt den Titel The Burden of Proof. Sie basiert auf den proprietären Erlösmodellen von BCG sowie einer Befragung von rund 500 großen Handelsunternehmen weltweit. Die Pro-Kopf-Angaben beziehen sich auf elektronische Zahlungstransaktionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern und werden auf Basis der im jeweiligen Land lebenden Bevölkerung ab 15 Jahren berechnet. Für die Transaktionszahlen 2025 wurden, soweit verfügbar, endgültige offizielle Daten verwendet. Lagen zum Zeitpunkt der Studienerstellung noch keine vollständigen Jahreszahlen vor, wurden vorläufige Daten oder Schätzungen auf das Gesamtjahr hochgerechnet.

Über BCG

Die Boston Consulting Group hilft führenden Unternehmen und Organisationen weltweit, ihre Ambitionen in messbare Ergebnisse zu überführen. Was uns dabei seit jeher auszeichnet: strategische Klarheit – heute verstärkt durch angewandte KI – gestützt auf mehr als 60 Jahre Erfahrung und fundiertes Branchenwissen. BCG arbeitet weltweit und branchenübergreifend eng mit CEOs sowie Entscheiderinnen und Entscheidern zusammen, um tiefgreifende Veränderungen in großem Maßstab zu ermöglichen: höhere Renditen, nachhaltig aufgebaute Kompetenzen und Veränderung, die bleibt. BCG ist mit rund 33.500 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten und erzielte 2025 einen weltweiten Umsatz von 14,4 Milliarden US-Dollar.

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