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München—Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt rasant. Weltweit berichten viele Beschäftigte, dass KI ihre tägliche Arbeit erleichtert, sie produktiver macht und ihre Zufriedenheit im Job steigert. Das zeigt auch eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG), für die rund 12.000 Führungskräfte und Mitarbeitende in 14 Ländern befragt wurden. Deutschland bleibt dabei jedoch hinter vielen anderen Ländern zurück: Obwohl Beschäftigte hierzulande KI ähnlich häufig nutzen wie ihre internationalen Kolleginnen und Kollegen, berichten sie deutlich seltener von positiven Auswirkungen auf die tägliche Arbeit. Während weltweit 57 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung angeben, dass KI ihre Arbeitszufriedenheit erhöht hat, sind es hierzulande lediglich 51 Prozent. Bei Führungskräften fällt der Unterschied noch deutlicher aus: Global berichten 71 Prozent von positiven Effekten auf ihre tägliche Arbeit, in Deutschland nur 52 Prozent.

Warum KI-Nutzung allein noch nicht genügt

Für Nina Kataeva, KI-Expertin und Partnerin bei BCG, hängen diese Ergebnisse eng mit Führung und organisatorischer Umsetzung zusammen: „Viele Unternehmen in Deutschland konzentrieren sich noch immer auf die Einführung neuer KI-Anwendungen. Die eigentliche Herausforderung besteht inzwischen jedoch darin, Mitarbeitenden Orientierung zu geben und Arbeit neu zu organisieren. Die Technologie allein sorgt noch nicht für eine bessere Arbeitserfahrung.“ An mangelnder Nutzung liegt die vergleichsweise geringe Begeisterung hingegen nicht: Deutschland bewegt sich bei der KI-Nutzung auf internationalem Niveau. 75 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung setzen hierzulande KI inzwischen regelmäßig ein, weltweit sind es 74 Prozent. Auf Führungsebene nutzen in Deutschland sogar 91 Prozent der Befragten regelmäßig KI-Anwendungen.

Die Ergebnisse zeigen damit ein bemerkenswertes Paradox: Deutsche Beschäftigte nutzen künstliche Intelligenz zwar ähnlich häufig wie ihre internationalen Kolleginnen und Kollegen, erleben jedoch seltener positive Auswirkungen auf ihren Arbeitsalltag. Die geringere Zufriedenheit spiegelt sich auch im wahrgenommenen Nutzen wider: Während weltweit 42 Prozent der Beschäftigten berichten, durch KI mindestens einen Arbeitstag pro Woche einzusparen, gelingt dies in Deutschland lediglich 28 Prozent.

Führung und Qualifizierung entscheiden über KI-Erfolg

Doch entsprechende Zufriedenheits- und Produktivitätsgewinne entstehen in der Belegschaft nicht von selbst: „Beschäftigte erwarten heute mehr als den Zugang zu neuen Tools“, erklärt Kataeva. „Sie wollen verstehen, wie sich ihre Rolle verändert, welche Fähigkeiten künftig wichtig werden und welchen Platz künstliche Intelligenz in ihrer täglichen Arbeit einnehmen soll. Wo diese Klarheit fehlt, bleiben auch die positiven Effekte begrenzt.“ Auch die Studie zeigt, dass die größten Unterschiede beim KI-Erfolg nicht durch die Technologie selbst entstehen, sondern durch den Umgang der Unternehmen mit ihr.

Weltweit geben 72 Prozent der regelmäßigen KI-Nutzer an, dass sich die Anforderungen an ihre Fähigkeiten bereits verändert haben. Gleichzeitig fühlen sich jedoch nur 36 Prozent ausreichend auf diese Veränderungen vorbereitet. Und auch bei der Kommunikation sehen viele Unternehmen Nachholbedarf: Nur ein Drittel der Beschäftigten attestiert der Führungsebene eine klare Kommunikation rund um KI. Lediglich 28 Prozent sehen eine Übereinstimmung zwischen den Ankündigungen des Managements und der tatsächlichen Umsetzung im Unternehmen.

Geschäftlicher Erfolg und Mitarbeiterzufriedenheit gehen Hand in Hand

Besonders deutlich werden die möglichen Effekte des KI-Einsatzes bei Unternehmen, die ihre gesamten Prozesse konsequent auf diesen ausrichten: Diese erzielen nicht nur bessere Geschäftsergebnisse, sondern schaffen auch mehr Zufriedenheit und produktivere Arbeitsbedingungen. 67 Prozent der Beschäftigten berichten in entsprechenden Organisationen von messbaren Verbesserungen des Geschäftsergebnisses, 68 Prozent von höherer Arbeitszufriedenheit und 53 Prozent von einem Zeitgewinn von mindestens einem Arbeitstag pro Woche. Bei Unternehmen mit einem reinen Tool-Ansatz liegen die Werte jeweils rund 20 Prozentpunkte niedriger.

Wirtschaftlicher Erfolg durch KI und positive Mitarbeitererfahrungen sind somit kein Widerspruch. Vielmehr werden beide durch dieselben Faktoren gefördert – klare Strategie, glaubwürdige Führung, Weiterbildung und die konsequente Neugestaltung von Arbeitsabläufen. „Die erfolgreichsten Unternehmen setzen nicht einfach mehr KI ein als andere“, sagt Kataeva. „Sie schaffen Klarheit darüber, warum KI eingesetzt wird, wie Arbeit dadurch verändert wird und welchen Beitrag Mitarbeitende künftig leisten können. Genau dort entstehen sowohl Geschäftswert als auch Zufriedenheit.“

Über die Studie

Für die Studie „AI at Work 2026“ befragte die Boston Consulting Group (BCG) weltweit 11.749 Beschäftigte, Manager und Führungskräfte aus 14 Ländern, darunter 917 in Deutschland. Untersucht wurden unter anderem Nutzung, Auswirkungen und Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag. Die analysierten Märkte umfassen Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, die Benelux-Staaten, den Nahen Osten, die nordischen Länder, Spanien, Südafrika, das Vereinigte Königreich und die USA.

Über BCG

Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können. 

BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft – von digitalen Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven – sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei unseren Kunden – über alle Organisationsebenen hinweg.

BCG ist mit rund 33.500 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2025 einen Umsatz von 14,4 Milliarden US-Dollar.

Weitere Informationen: www.bcg.com