- Neue Analyse von BCG und NABU beziffert Dimension des Grundwasserverlusts und zeigt konkrete Handlungsoptionen
- Die wirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns betragen bis zu 25 Milliarden Euro pro Jahr
- Rechtzeitige Investitionen in Wassersicherheit schaffen ökonomische und ökologische Resilienz
- Naturbasierte und technologische Maßnahmen können Deutschlands Wasserhaushalt bis 2040 stabilisieren
- Moderater Investitionsbedarf deutlich unterhalb der Kosten des Nichthandelns
München—Deutschland leidet unter Wasserstress. Seit Anfang der 2000er Jahre hat das Land rund 60 Milliarden Kubikmeter aus Grundwasser und Wasserspeichern verloren. Das entspricht dem Volumen des Bodensees. Ohne wirksames Gegensteuern drohen durch den Wasserverlust Kosten von 20 bis 25 Milliarden Euro jährlich bis 2050 in Folge von Trockenheit, Flutschäden und Wasserverschmutzung. Das sind mehr als 75 Prozent der geplanten Ausgaben für den Klima- und Transformationsfonds im Jahr 2026. In den nächsten 25 Jahren werden sich die volkswirtschaftlichen Kosten des Wasserschwundes auf 500 bis 625 Milliarden Euro summieren. Dagegen erfordern gezielte frühzeitige Investitionen insgesamt geschätzte 15 bis 20 Milliarden Euro.
Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie "Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance" von der Boston Consulting Group (BCG) und dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Die Untersuchung basiert auf der umfassendsten Meta-Analyse zu Wasser im deutschsprachigen Raum kombiniert mit proprietären Datenanalysen und zeigt, wie sich die Versorgungssicherheit bei der lebenswichtigen Ressource Wasser wiederherstellen lässt, und stellt exemplarische Lösungen vor.
"Wasser ist eine strategische Ressource – vergleichbar mit Energie. Wir müssen mit neuem Fokus auf Wasserkreisläufe, die nationale Wasserbilanz und Indikatoren schauen und jetzt investieren, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren.", sagt Torsten Kurth, Managing Director & Senior Partner bei BCG und Mitautor der Studie.
Wasserknappheit ist menschengemacht – und gestaltbar
Entwässerungsinfrastruktur, verdichtete Äcker und naturferne Wälder verstärken Dürre- und Flutrisiken gleichermaßen. Sie verhindern, dass ausreichend Niederschlagswasser in der Landschaft zurückgehalten wird und versickert, um als Bodenfeuchte gespeichert zu bleiben und Grundwasserreservoirs aufzufüllen. Gleichzeitig verstärken veränderte Niederschlagsmuster mit mehr Starkregenfällen und längeren Trockenphasen, der Rückgang des Grundwassers sowie der zunehmende Abfluss den Druck auf das natürliche Wasserdargebot weiter. Das Resultat: Deutschland verliert mehr Wasser, als seine Systeme auf natürliche Weise regenerieren können.
Anhand des Beispiels der Region Berlin-Brandenburg zeigt die Studie detailliert die Effekte von zunehmendem Wasserstress und den daraus folgenden Kosten sowie die möglichen wirtschaftlichen Vorteile von ganzheitlichem Wassermanagement in der Fläche.
Deutschland gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Grundwasserverlusten. "Der natürliche Kreislauf von Niederschlag, Verdunstung und Versickerung ist massiv gestört. Verantwortlich für den Wasserstress sind nicht nur Wetter- und Klimaphänomene, sondern vor allem die Landnutzung", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Ingo Ammermann. "Genau hier liegt der Hebel. Wasserknappheit ist gestaltbar, es gibt wirksame Gegenmaßnahmen."
Wasserhaushalt ausgleichen und einen positiven Business Case generieren
Sowohl mit naturbasierten wie auch technologischen Lösungen lässt sich die verfügbare Wassermenge langfristig erhöhen und das vorhandene Wasser deutlich effizienter nutzen. Regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder und moderne Drainagesysteme könnten jährlich zusätzlich 7 bis 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Landschaft halten – genug, um den aktuellen Negativ-Trend bis 2040 zu drehen und die Wasserbilanz zu stärken.
Die Maßnahmen unterstützen den Aufbau der Wasserspeicherkapazität Deutschlands, verringern physische Knappheit und senken die wirtschaftlichen Belastungen durch Wasserstress.
Wasser als strategische Ressource neu steuern
"Um diese Transformation zu erreichen, brauchen wir beides: naturbasierte und technologische Lösungen. Und wir müssen die Art und Weise ändern, wie Wasser verwaltet, finanziert und bewertet wird", erklärt Torsten Kurth, globaler Leiter des Themenfeldes Natur und Wasser bei BCG.
Für mehr Wassersicherheit braucht es klare Impulse: Landwirte und Waldbesitzer könnten die Wasserverfügbarkeit besonders wirksam verbessern. Doch es fehlen finanzielle Anreize und Zugang zu Investitionsmitteln. Industrie und Versorgungsunternehmen als größte Verbrauchergruppe erhalten Wasser zu sehr niedrigen Preisen. Dadurch fehlt die Motivation, in Wassersicherheit zu investieren.
Die Studienautoren empfehlen, bestehende Infrastrukturmittel gezielt für den Schutz und die Sicherung der Wasserressourcen einzusetzen sowie innovative Finanzierungsmechanismen und Preissysteme zu installieren, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Wasser- oder Naturcredits, regionale Wasserfonds und marktorientierte Anreizsysteme können Investitionen in Wasserspeicher stärken, Risiken reduzieren und eine resiliente, zukunftsfähige Wasserwirtschaft ermöglichen.
"Das gelingt allerdings nur im Schulterschluss von öffentlicher Hand, Wirtschaft, Landnutzern und Finanzsektor – als Grundlage für Klimaanpassung, ökologische Erneuerung und wirtschaftliche Stärke in Deutschland", sagt Ingo Ammermann.
Pressekontakt:
Boston Consulting Group
Julia Schmid
Media Relations Specialist
T +49 151 3344 302
Naturschutzbund Deutschland e.V.
Maximilian Meister
Referent für Regenerative Landwirtschaft
T +49 152 2183 0918
Über NABU
Mit mehr als 960.000 Mitgliedern und Fördernden ist der 1899 gegründete NABU der älteste und mitgliederstärkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Der NABU begeistert für die Natur und fördert naturkundliche Kenntnisse für ein aktives Naturerleben. Mehr Infos: www.NABU.de/wir-ueber-uns
Über die Studie
Die Basis des Reports bildet eine Metastudie, welche verschiedene Quellen und Paper nutzt, um Effekte abzuleiten. Im Zuge dessen wurden Maßnahmen in den Landschaftssystemen Agrarland, Forst/Wald und dem urbanen Raum untersucht. Details zu allen Analysen und genutzten Daten finden Sie im technischen Appendix.
Über BCG
Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können.
BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft – von digitalen Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven – sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei unseren Kunden – über alle Organisationsebenen hinweg. BCG ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar. Weitere Informationen:
www.bcg.com